Vortrag zur hundertjährigen Geschichte der HNT
(gehalten im Juni 2011 im Rahmen der Vortragsreihe des Süderelbe-Archivs und der HNT-Jubiläumswoche)
HNT in der Zeit von 1911 - 1952
Als am 22.12.1911, zwei Tage vor Heiligabend, der Oberzollkontrolleur Alexander Emmermann (Bild 1: A. Emmermann) mit 21 Mitstreitern die HNT gründete, muss er voller Feuer und Flamme für die Idee und Verbreitung des organisierten Sports gewesen sein. Denn er hat sich unter anderem auch bei der Gründung der Turnvereine in Eilbek, Eimsbüttel, Vahrendorf, Fischbek (TVF von 1921) und Neu Wulmstorf engagiert (Bild 2+3: Gründungsurkunde). Aber die HNT blieb der Mittelpunkt seines ehrenamtlichen Schaffens.
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A. Emmermann | Gründungsurkunde | |
Der junge Dorfverein HNT zog in wenigen Jahren immer mehr Mitglieder an (1912 waren es 69; 1914 bereits 139; 1920: 187), darunter auch Frauen, die schon 1912 eine eigene Frauenturnriege gründeten, was keineswegs überall gern gesehen wurde. Es ziemte sich nicht für Frauen, in der Öffentlichkeit halb bekleidet zu turnen. Diese Abwehr führte zu einem besonders festen Zusammenhalt der Turnfrauen, die regelmäßig ihre Jubiläen feierten – im Gegensatz zum Hauptverein. In diesen ersten Vereinsjahren turnte man im Freien oder im Saal des „Hotels zum Opferberg“ (Bild 4: Hotel zum Opferberg). Typische Vereinssportarten waren Turnen, Laufen („Eilbotenlauf“), Faustball, Kraftsport, Tauziehen, für Frauen Gymnastik, Keulenturnen, Tanzen, Ballspiele …
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Hotel zum Opferberg |
Sportplatz wurde der „Jahnplatz“, zwischen Bahn und Cuxhavener Str., damals Ritzebüttler Reichsstraße oder Stader Straße, gelegen. Dieser Platz wurde von der Gemeinde gepachtet.
Schon bald entwickelte der Vereinsvorsitzende Alexander Emmermann die Vision einer eigenen Turnhalle. Es ging ihm darum, die Jugend nicht durch die Nähe zu einer Gaststätte, zum Alkoholkonsum in Verführung zu bringen. Auch war ihm die Nähe zur Großstadt (Harburg) suspekt. Er war ein Konservativer. Für die Finanzierung eines Neubaus brauchte man viel Geld, das erst noch beschafft werden musste. Dafür war Fantasie gefordert. Mit Anteilscheinen (Bild 5: Anteilsschein) und dem Verkauf des Heidelieds (Bild 6: Heidelied) wurden erhebliche Mittel eingesammelt, trotz der Einschränkungen des 1. Weltkrieges (1914-1918).
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Anteilsschein | Heidelied |
Vorübergehend wurde die Turnhalle im Hotel zum Opferberg für kriegswichtige Zwecke beschlagnahmt (es ging um die Einlagerung von Kräutern), so dass nur noch im Freien geturnt werden konnte. Außerdem fielen im Krieg 16 HNTer, was die Stimmung im Verein sehr drückte; darunter war Kurt Emmermann, ein Gründungsmitglied der HNT und Sohn von Alexander Emmermann und seiner Frau. Trotzdem ging ein eingeschränkter Turnbetrieb während der Kriegsjahre weiter, und das Streben nach einer eigenen Halle blieb, auch wenn es angesichts der Kriegsbelastung auf Vorbehalte stieß (es gibt u.a. den Brief eines Mitgliedes, mit dem Bau noch zu warten). Ehepaar Emmermann richtete zur Erinnerung an ihren gefallenen Sohn eine Gedächtnis-Stiftung ein, ein weiterer finanzieller Baustein für die eigene Halle. In den Ordnern bei der HNT finden sich Baupläne für diese Halle.
Aber dann machte die Inflation der frühen 20er Jahre allen Hoffnungen auf eigene Räume ein Ende. Die Vereinsführung hatte zu lange gewartet. Am Ende der Inflationszeit 1923 kostete alleine ein Inlandsbrief 12 Mrd. Mark. Das eingesammelte Geld von knapp 14.000,- Mark war nichts mehr wert. In dieser schwierigen Zeit versuchte man sich in Neugraben mit Notgeld (Bild 7+8: Notgeld ) zu behelfen.
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Notgeld | |
Zu allem Überfluss ging das Hotel zum Opferberg in Konkurs, eigentlich der beste Zeitpunkt, es für den Verein zu kaufen. Aber der Verein hatte kein Geld mehr. In das Hotel zog eine Kunststeinfabrik (Lavalith) ein, die sich allerdings nur bis 1926 halten konnte. Als die Räume erneut zum Verkauf standen, griff die HNT unter Federführung von Alexander Emmermann zu. Sie machte dabei erhebliche Schulden, die noch lange auf dem Verein lasteten. Im ersten Stock blieb die bisherige Familie Pieper wohnen.
Inzwischen war die Mitgliederzahl auf über 200 gestiegen, der Verein hatte sich in der Region gut etabliert, nahm sich sogar seit 1914 immer wieder der „kulturellen Bereicherung des Dorflebens“ an (laut Festschrift zum 50jährigen Jubiläum). Turnfeste wurden ausgerichtet oder besucht, Weihnachtsfeste gefeiert, es gab „Eilbotenläufe“ und Volksfeste mit volkstümlichen Wettkämpfen. Seit 1920 kam es in größeren Abständen zu Abteilungs-gründungen wie Faustball oder Handball, nachdem der Verein bereits im ersten Jahrzehnt neben dem traditionellen Männerturnen Frauen- und Kinderturnen in das Programm aufgenommen hatte.
Als sich Alexander Emmermann aus Gesundheitsgründen 1927 von der Vereinsleitung zurückziehen musste, war es sein Nachfolger Friedrich Wiechmann, der mit Feiern in der HNT-Halle, mit eigener Hausmusik, mit einer eigenen Bewirtung und Freilichtaufführungen am Fuße des Opferbergs die HNT zum dörflichen Kulturmittelpunkt machte (s.o. Festschrift). Gleichzeitig war das eine Möglichkeit, die teure HNT-Halle bekannt zu machen und an zusätzliche Einnahmen zu kommen.
Die Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre traf die HNT schwer. Den Mitgliedern ging das Geld aus, sie hatten Schwierigkeiten, noch ihre Beiträge zu bezahlen. Um ausreichend Geld zu haben und die Kredite bedienen zu können, wurde von der Vereinsleitung ein Grundstücksteil an die benachbarte Schlosserei Pieper verkauft, es wurden ein Kindergarten in den eigenen Räumen eingerichtet und eine „Volksküche“ betrieben, wo Bedürftige für wenig Geld eine warme Mahlzeit bekommen konnten. Trotz dieser schwierigen Situation ging das Vereinsleben mit voller Kraft weiter. Die Vereinsmitglieder rückten noch enger zusammen und stützten einander (Mitgliederzahl 1929: 212; ein Zeichen, wie viel Anstrengung es bedurfte, um die HNT am Leben zu erhalten – Stagnation).
Am 30. Januar 1933 übernahm Adolf Hitler die Macht in Deutschland. Bereits im August 1933 trat der Vereinsvorsitzende Heinrich Ludwig (Helm) Meyer zurück, der Druck der NSDAP war zu groß geworden. Karl Kühling (Bild 10: Karl Kühling), Schwiegersohn von Alexander Emmermann, wurde 1. Vorsitzender, sein Stellvertreter war der Ortsgruppenleiter der NSDAP A. Krug. Wie groß der Druck auf die Vereinsvorsitzenden wurde, zeigt der folgende Text (Bild 11: „rücksichtslose Vereinsführer“). Das Vereinsleben wurde zunehmend eingeschränkt angesichts der verschiedensten NS-Gliederungen, denen man angehören musste und die ihr Recht forderten, in der HNT-Halle trainieren zu dürfen (HJ, BDM, Reichsarbeitsdienst etc.). Sportvereine lösten sich im Zuge dieser „Gleichschaltung“ auf, die HNT überlebte. Es war der 2. Vorsitzende, der dafür sorgte, dass neben NS-Gruppierungen in der Vereinshalle auch noch Platz für HNT-Sportler war und HNT-Trainer („Vorturner“) die externen NS-Jugendgruppen trainierten. Eine frühe, unglückliche Form des Modells „Kooperation Schule – Verein“. Es war schon eine zwiespältige Situation, einerseits gekennzeichnet durch einen hohen Stellenwert des Sports im 3. Reich, andererseits durch viele Anläufe, den selbständigen Sport ein- und unterzuordnen. Das NS-Erziehungsziel lautete„Flink wie Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl“.
Alexander Emmermann starb 1935. Er hat den 25. Geburtstag seines Vereins nicht mehr miterlebt und auch nicht die „Selbstauflösung“ der Deutschen Turnerschaft; die Vereine wurden stattdessen in den NS-Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert wurden damit zu NS-Organisationen. (Bild 12: Besuch von Tschammer und Osten – Obergruppenführer).
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K. Kühling | Rücksichtslose Vereinsführer | Besuch Tschammer und Osten |
Einschneidend waren die Planungen für die fünf Führerstädte im Deutschen Reich (Berlin- Germania, München – Stadt der Bewegung, Nürnberg – Stadt der Reichsparteitage, Linz – Hitlers Jugendstadt, Hamburg – Stadt der deutschen Schifffahrt oder Tor zur Welt). In diesem Zusammenhang steht das Groß-Hamburg-Gesetz, das 1937 in Kraft trat, damit wurde Neugraben ein Stadtteil Hamburgs. Die Planungen, die jetzt anliefen, waren unglaublich: Das Elbufer bei Neumühlen/Övelgönne sollte repräsentativ umgestaltet werden, ein Gauturm mit 250 m Höhe gebaut werden, ein Saal für 50 000 Besucher gebaut werden. St. Pauli sollte verschwinden und die beiden Teile Hamburgs südlich und nördlich der Elbe durch eine gigantische Hochbrücke verbunden werden. Wie hängt das mit HNT zusammen?
Der staatliche Jahnplatz, wo im Freien geturnt werden konnte, wurde für Baumaßnahmen für die Hochbrücke belegt. Dort wurden Baumaterialien gelagert für den Bau der Elbhochbrücke (Bild 13: Elbhochbrücke). Es drohte sogar ein Abriss der HNT-Halle (Bild 14: Schreiben der Behörde). Ob das zum Ende der HNT geführt hätte oder zu einer gehofften Verlagerung zum Jägerhof bleibt ungeklärt.
Der Beginn des 2. Weltkrieges verschob diese Planungen. Er bedeutete für die HNT einen tiefen Einschnitt, denn die Halle wurde vorübergehend beschlagnahmt, damit dort Getreide eingelagert werden konnte (Bild 15: Brief der Behörde). Dadurch war der Turn- und Sportbetrieb endgültig lahm gelegt.
Ab 1940 wurde die HNT-Halle mit im Wesentlichen französischen Kriegsgefangenen belegt, die in umliegenden Betrieben arbeiteten. Dafür erhielt die HNT Miete.
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Elbhochbrücke | Schreiben der Behörde | Brief der Behörde |
Die Turngeräte, die nun nicht mehr genutzt werden konnten, wurden dem U-Boot-Stützpunkt in Finkenwerder leihweise zur Verfügung gestellt. Sie sind nie wieder aufgetaucht. Der Sportbetrieb ruhte weitgehend, zumal bis zu 90 HNTer zu den Waffen gerufen wurden.
Als 1945 der Alptraum Krieg ein Ende fand, herrschte in der Vereinshalle das blanke Chaos. Alles was an Holz im Haus verbaut worden war, dazu Tische und Stühle, war herausgerissen, zerschlagen und verheizt worden, und auch der Baumbestand ringsum war verschwunden, hatte in der Not als Heizmaterial gedient. Über die gefallenen HNTer gibt es keine Informationen im Gegensatz zum 1. Weltkrieg.
Es durfte in den ersten Nachkriegsjahren noch nicht wieder geturnt werden – eine Auflage der englischen Militärregierung. Ob das hamburgweit galt oder nur für die HNT, ist mir unbekannt. Bis 1949 blieb jedenfalls die Halle für die HNT gesperrt. Stattdessen wurde die Halle an eine Rattengiftfabrik verpachtet. Das gab wenigstens etwas Geld. So waren es Fußball, Faustball und (Feld-)Handball, die als erste den Sportbetrieb wieder aufnahmen. Sie kamen ohne Halle aus und profitierten davon, dass die HNT 1946 wieder die Sporterlaubnis für Sport auf Rasenplätzen bekam. Der Jahnplatz wurde notdürftig hergerichtet und vom Staat gepachtet.
Im Zuge der Entnazifizierung trat 1946 der 1. Vorsitzende Karl Kühling zurück, sein Nachfolger wurde für wenige Jahre der unbelastete Gustav Gräben, sein Stellvertreter Karl Kühling – immerhin. Nach einer kurzen Ära Gräben und einer kurzen Ära Friedrich Saul folgte die lange Zeit des Vorsitzenden Rudolf Ebeling (1950 – 1970) (Bild 16: Rudolf Ebeling), eine Zeit des Wiederaufbaus und der Konsolidierung.
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R. Ebeling |
Als 1949 die Vereinshalle endlich freigegeben wurde, dauerte es nicht lange, dass die HNT wieder für Neumitglieder attraktiv wurde. Von 1947 sprang die Mitgliederzahl von 287 auf 556 (1950) und über 700 im Jahr 1952. Parallel bekam der Verein eine neue Satzung, wurden die Vereinsmitglieder neu registriert und kam es zu weiteren Abteilungsgründungen.
An dieser Stelle bricht die chronologische Darstellung ab, die erheblich zu lang würde. Stattdessen folgen Überblicke über folgende Themenkomplexe:
- Entwicklung der Vereinsanlagen
- Entwicklung des Sportangebotes
- Entwicklung der Verwaltungsstrukturen
- Die HNT in ihrer Region / für ihre Region
Entwicklung der Vereinsanlagen
Das Zentrum des Vereins war und ist das Vereinshaus am Opferberg, Cuxhavener Straße 253 (Bild 18: Panoramabild Vereinshaus). Rückblickend wäre es für den Verein in den 20er Jahren möglicherweise sinnvoller gewesen, trotz noch größerer finanzieller Belastung wirklich neu zu bauen. Denn über die Jahrzehnte haben die Baumaßnahmen am Vereinshaus gewaltig Geld verschlungen. (Bild 19 – 25: Umbauten Vereinshaus) Um 1955 kamen der Einbau von Sanitäreinrichtungen, WCs, Duschen, Waschgelegenheiten mitsamt Sielanschluss. Bis in die 60er Jahren wurde die Halle noch mit einem Kohleofen beheizt – also wurde eine Zentralheizung erforderlich (wann das erfolgte, ist mir unbekannt). In den 70er Jahre erfolgte der Anbau einer Gymnastikhalle von ca. 220 qm (Bild 26: Gymnstikhalle) und nacheinander zweier Geräteräume. In den 70er und 80er Jahren musste die Bausubstanz für viel Geld saniert werden, verrottende tragende Teile wurde ausgetauscht, der Eingangsbereich umgestaltet, die Treppe verlegt, schwere Durchfeuchtungen im Keller beseitigt, eine Hausmeisterwohnung im 1. Stock gebaut, nachdem Familie Pieper ausgezogen war. Die Hausmeisterwohnung wurde später umgebaut und darin ein Verwaltungszentrum eingerichtet, so wie es heute vorzufinden ist. Ein Verwaltungszentrum ist für einen größeren Verein unabdingbar.
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Vereinshaus | Umbauten | ||
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Umbauten | |||
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Umbauten | Gymnastikhalle | ||
Ein Sportbüro – etwas Einmaliges in Hamburg - zog ins SEZ (Bild 27: SEZ-Sportbüro) gemeinsam mit dem TV Fischbek und einem Stadtteilbüro des HVV und wurde Ende der 80er Jahre ins Vereinshaus verlagert, ins Emmermannzimmer (Bild 28: Emmermannzimmer). Ein Kindergarten zog 1993 ein und nach 15 Jahren wieder aus. In diesem Zusammenhang wurde der Eingang zu den Sporthallen auf die andere Hausseite verlagert. Aufgrund diverser Einbrüche (Bild 30: Einbruch) wurden Einbruch hemmende Fenster eingebaut, eine Alarmüberwachung mit komplizierter Schließanlage installiert, die bei einem Wachdienst aufgeschaltet ist, die Halle HNT1 erhielt eine moderne Musik und Lichtanlage. Gerade vor wenigen Wochen wurde die Decke in der Gymnastikhalle HNT 2 saniert: Kosten über € 40.000,-. Manchmal gab es schon den Stoßseufzer: „Abreißen sollte man den alten Kasten.“
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Sportbüro | Emmermannzimmer | Einbrüche | |
Das Vereinshaus ist nicht die einzige Vereinssportanlageanlage.
Im Jahr 1964 begann der Vorstand der HNT, mit der Anlage von Tennisplätzen zu liebäugeln und damit mit dem Aufbau einer eigenen Tennisabteilung, seinerzeit ein recht elitäres Sportangebot. Die Planungen dafür zogen sich bis in das Jahr 1970. 1971 konnten endlich die ersten vier Plätze eingeweiht werden, heute sind es 7 Außenplätze (32 + 33 Bilder Tennisanlage). Aber es war ein mühsamer Weg dahin, denn auf dem Gelände in der Kieskuhle am Fuße des Opferbergs befand sich zuvor ein provisorisches Militär-, später Wohnlager; und als dieses aufgelöst wurde, war das Gelände eine einzige deprimierende „Wüstenei“ (lt. Festschrift zum 60jährigen HNT-Jubiläum) mit Sandbergen, deren Abtrag und Abfuhr auf Kosten der HNT die Stadt Hamburg erst nach langen Auseinandersetzungen genehmigte, das ist der Hintergrund für die 7 Jahre währende Bauphase. Ein alter Röhrenbunker blieb vorerst auf dem Gelände stehen.
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Tennisanlagen | |
Damit gab sich die Vereinsführung nicht zufrieden. Sie träumte vom Bau einer Zweifeldhalle, um vom Wetter unabhängig zu werden. Aber der Röhrenbunker war im Weg. Um ihn entbrannte ein langer Streit mit der Stadt Hamburg um die Beseitigung des staatlichen Bunkers auf dem HNT-Gelände. Er durfte schließlich beseitigt werden, auf HNT-Kosten in Höhe von DM 10.000,-!
Dadurch entstand Platz für den Bau der Zweifeld-Tennishalle, die zunächst, um die Zustimmung der Mitglieder zu gewinnen und vor allem weiteres Geld einwerben zu können, unter der Bezeichnung „Mehrzweck-Tennishalle“ firmierte. Daneben entstanden zwei weitere Gebäude.
Dieses war die zweite Vereinssportanlage, die gepflegt und betreut werden musste (Bilder 34-37: Tennisanlage, Baumaßnahmen am Sozialtrakt und Tennishalle).
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Tennisanlage | Baumaßnahmen am Sozialtrakt | Tennishalle | |
Die dritte Vereinssportanlage ist das FitHus.
Im Jahr 1993 brauchte es gleich mehrere Vertreterversammlungen, um die Vereinsmitglieder von der Idee zu überzeugen, dass die HNT ein eigenes Fitnessstudio brauchte, um den Wünschen nach einem modernen, attraktiven, qualitativ hochwertigen Sportangebot in angenehmem Ambiente gerecht zu werden. Dafür boten sich Räumlichkeiten im SEZ an, die angemietet und in wenigen Monaten umgebaut und eingerichtet wurden. Das FitHus wurde 1994 eröffnet (Bild 38 – 40: FitHus Eingang + Bild „Neugierige strömen“, Bild FitHus-Sauna), es war das fünfte Vereinsstudio in Hamburg. So sehr auch das sportliche Konzept überzeugte und immer noch überzeugt, das Studio in angemieteten Räumen befand sich von Anfang an in einer finanziellen Schieflage, es hat nie den Gewinn erbracht, die sich die Gründerväter erhofften. So war es ein Glücksfall, als sich die Möglichkeit eröffnete, ins neu gebaute BGZ umziehen zu können. Seit dem Mai 2011 gibt es einen Beschluss der Vertreterversammlung, der dem Präsidium diesen Umzug – unter Bedingungen – genehmigt (Bilder 40 - 43: Sport im FitHus).
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FitHus | FitHus-Sauna | |
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Sport im Fithus |
Entwicklung des Sportangebotes
Tennisanlage und FitHus bringen nahtlos zu dem Thema der Sportentwicklung.
Es ist unmöglich, den verschiedensten Abteilungen gerecht zu werden. Ich greife nur ein paar heraus, deren Entwicklung besonders interessant zu sein scheint.
1955/56 war für die HNT ein Glücksjahr, weil in diesem Jahr die junge Erzieherin Inge Bode als Übungsleiterin zur HNT stieß. Sie baute das Kleinkinderturnen auf; damit war sie Vorreiterin in Hamburg (Bild 45: Inge Bode). Dieses Angebot war so erfolgreich, dass es nicht nur viele kleine Kinder zur HNT zog, sondern auch den Hamburger Turnverband veranlasste, 1961 die Kleinkindergruppe zu einem Schauturnen auf die Bühne des Schauspielhauses einzuladen. In den folgenden Jahren gab es weitere Einladungen, später auch an die Kunstturner von Trainer Helmut Ziechner, der zu ähnlicher Zeit zur HNT kam wie Inge Bode.
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Inge Bode |
Die Kleinkinder wurden weiter gefördert, bis aus ihnen respektable Kunstturnerinnen geworden waren. Doch fehlte es ihnen teilweise an Grazie. Um die zu erreichen, wurde ein Ballettmeister verpflichtet, Helmut Thoms, der zusätzlichen Ballettunterricht erteilte. Damit war er so erfolgreich, dass die Turnmäuse nicht mehr wussten, welche Sportart sie vorzogen. Es kam zu internen Spannungen und schließlich zur Gründung einer eigenständigen Ballettabteilung. Die hat in den Folgejahren durch großartige Aufführungen in der Eberthalle und der Falkenberghalle auf sich aufmerksam gemacht (Bilder 46 +49: Bild Helmut Thoms inmitten seiner Ballettgruppe, Ballett). Aber Ballett ist teuer, deshalb wurden Aufführungen immer seltener, es musste sogar Garderobe verkauft werden (Bild 50: Verkauf aus dem Fundus). Und heute ist das harte, disziplinierte Training immer seltener zu vermitteln. Das ist eine generelle Schwierigkeit von „Leistungssport“.
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Helmut Thoms + Truppe | Ballet heute | Fundus Verkauf |
Es folgen ein paar Bilder von den erfolgreichen und erfolgsverwöhnten Kunstturnern und Kunstturnerinnen (Bild 51+54: Geräteturnen, Besuch Hardy Krüger). Interessant ist, dass sich die Kunstturnerinnen inzwischen von dem strikten Kunstturnen verabschiedet haben und eine eigene Sportart kreiert haben, eine Mischung aus Kunstturnen, Artistik, Tanz und Jonglage unter dem Namen Sportspool (Bild 58: Sportspool/Aufführungen).
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Kunstturner | Besuch Hardy Krüger | Aufführung Sportspool |
Eine Besonderheit ist die kurzzeitige Existenz eine Fallschirmsportgruppe in der HNT. Wegen der Bestimmung, dass Sportler aus Versicherungsgründen über einen Verband oder wenigstens einen Verein organisiert werden müssen, stieß diese Gruppe von 8 Leuten 1986 zur HNT. Und sie machte im gleichen Jahr durch einen spektakulären Absprung über dem Sportplatz am Opferberg auf sich aufmerksam (Bild 60: Fallschirmsprung), Anlass war das 75jährige Jubiläum. Erinnert sei an Training mit Gleitschirmen in der Heide, in der Kieskuhle. 1989 hat die Fallschirmsportabteilung einen solchen Kurs im Gleitschirmfliegen angeboten. Die Springer verabschiedeten sich 1995 und zogen um zum Flugplatz Hartenholm.
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Fallschirmsprung zum 75. Jubiläum |
Eine dritte Sparte, die ich hier benennen möchte, setzt sich aus mehreren zusammen.
1975 begann es mit der ersten Herzgruppe, es folgten Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik, Knieschule, Morbus Bechterew-Gymnastik, Schlaganfallgruppe, Lungensportgruppe, Diabetesgruppe und künftig Krebs-Nachsorgegruppe. Das ist die Entwicklung des Gesundheitssports, der immer mehr Gewicht in einer alternden Gesellschaft bekommt. Der Aufwand für diese Gruppen ist enorm, zumal es teilweise darum geht, Kosten mit Krankenkassen abzurechnen, für die Anwesenheit von Ärzten zu sorgen und die Übungsleiter regelmäßig fortzubilden. Als Folge haben wir alle Gruppen zusammengefasst, eine eigene Rehasparte geschaffen und eine Mitarbeiterin eingestellt, die die aufwändige, teure Betreuung dieser Mitglieder sicherstellt, wobei diese Mitglieder einen Sonderstatus haben (Bilder 62+ 64: Gesundheitssport).
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Gesundheitssport | |
Entwicklung der Verwaltungsstrukturen
Es ist über die Jahre immer wieder die Verwaltungsstruktur verändert und angepasst worden, zwangsläufig aufgrund gesetzlicher Vorgaben, aber auch freiwillig aufgrund geänderter technischer Möglichkeiten und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Besonders einschneidend war die Zeit nach 1969. Damals wurde das Beitragseinzugsystem eingeführt. Zuvor war es durchaus üblich, dass ein Kassierer von Haus zu Haus ging und den Jahres- oder Halbjahresbeitrag einkassierte. Das neue Bezahlsystem ermöglichte es den Vereinen, zu kürzeren Mitgliedszeiten überzugehen, wir sind heute bei vierteljährlichen Mitgliedschaften. Und es machte es möglich, zuverlässig Überblick über die Finanzen zu bekommen, die gleichmäßiger fließen. Dazu gehört natürlich auch ein Stab an Mitarbeitern. Denn seit die HNT 1970 die Mitgliederzahl von 2000 Mitgliedern überschritten hatte, wurde mehr und mehr eine hauptamtliche Verwaltung erforderlich. Eine Buchhalterin wurde angestellt, eine Sekretärin, eine Mitarbeiterin für die Mitgliederbetreuung, das Sportbüro wurde besetzt, ein Hausmeisterposten geschaffen und 1987 mit Karsten Bode ein hauptamtlicher Geschäftsführer beschäftigt. Zusätzlich wurde die HNT 1978 als Dienststelle für Zivildienstleistende anerkannt. Damit taten jahrelang bis zu drei Zivis ihren Dienst bei der HNT. Niklas Hagitte war im Juni 2011 der letzte in dieser Reihe.
Inzwischen hat sich die Zahl durch weitere Servicemitarbeiter noch erhöht, nur so ist es zu schaffen, allen steuerlichen Auflagen gerecht zu werden, allen Auflagen an eine konsequente und jederzeit überprüfbare Buchhaltung und Abrechnung. Die HNT ist ein kleines mittelständisches Unternehmen. Parallel dazu wird es zunehmend schwieriger, ausreichend Ehrenamtliche zu gewinnen, die im Verein Führungsaufgaben übernehmen. In einem alten Protokoll von 1915 las ich, dass es eine Kampfabstimmung gegeben hat, wer das Amt des Schriftführers übernehmen durfte. 2011 haben alle Vertreter weggeschaut, als ein Protokollführer gesucht wurde. Der Verein wird immer noch ehrenamtlich geführt, aber die Entwicklung im Sport geht dahin, dass eine hauptamtliche Geschäftführung die Leitung übernimmt, und die Ehrenamtlichen sich auf die Rolle eines Aufsichtsrates zurückziehen.
Die gleiche Schwierigkeit, Ehrenamtliche zu gewinnen, gibt es auch für die interne Jugendarbeit, die mit Jugendvollversammlung und Jugendausschuss seit 1975 ähnliche Gremien aufweist wie der Hauptverein mit Präsidium und Vertreterversammlung. Letztere gibt es seit 1977, als der Verein mit seinen inzwischen über 4000 Mitgliedern keine Vollversammlung mehr einberufen konnte. Es sind ca. 45 Vertreter und das Präsidium mit 4 – 5 Mitgliedern und dem Vorsitzenden des Jugendausschusses, die mindestens einmal jährlich zusammenkommen, um die notwendigen Regularien vorzunehmen.
Die heutigen Veränderungen sind auch gekennzeichnet durch den zunehmenden Einsatz der EDV. Ohne ein modernes EDV-System geht gar nichts mehr; und es ist jedes Mal landunter, wenn es abstürzt. HNT ist eben ein typisches mittelständisches Unternehmen.
Die HNT in ihrer Region / für ihre Region
Von Beginn an haben sich die Vorstände der Region verpflichtet gefühlt. Man zeigte sich und organisierte Veranstaltungen, sowohl für Mitglieder als auch für die Öffentlichkeit. Die Teilnahme an Turnfesten war und ist selbstverständlich (Bild 67: TA – Seniorinnen). Ebenso selbstverständlich ist die Teilnahme und Mitgestaltung von der Kinder-Rallye im Juni (Bild 70: Kinder-Rallye) oder von Neugraben Erleben im September, an dessen Entwicklung die HNT seit den 90er Jahren mitgearbeitet hat (Bild 71: Neugraben erleben).
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TA - Seniorinnen | Kinder-Rallye | Neugraben erleben |
Es war bereits von Aufführungen am Fuße des Opferbergs die Rede, heute sind es vor allem Turnvorführungen in den Hallen (Bilder 74 – 76: Vorführungen Ebert-Halle).
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Vorführungen Ebert Halle | ||
Die HNT hat sich über Jahrzehnte dem Thema „Förderung des Zusammenlebens“ verschrieben. Als 1997 in Neuwiedenthal Mirko Sch. Selbstmord verübte, weil er das Terrorisieren einer Jugendgang nicht mehr aushielt, veranstaltete die HNT in Zusammenarbeit mit der TSG Bergedorf und der Saga „Basketball um Mitternacht“ (Bild 77: Basketball um Mitternacht). Wie sehr die HNT der Integration von Migranten verpflichtet ist, mögen folgende Bilder zeigen (Bilder 78 - 80: Basketball-Mannschaft, Fußball-Kinder, JuJutsu-Show-Team). Insbesondere letzte Gruppe ist so repräsentativ für gelungene Integration, dass sie zum Sommerfest des Bundespräsidenten geladen wurde, bei Innenminister Schäuble war, Auftritte für die Kinder-Krebshilfe, die Kinder-Unfallhilfe und im Kinder-Hospiz wahrnahm und schließlich mit einer Sendung beim KiKa gewürdigt wurde (Bilder 81 – 84: JuJutsu Show-Team, KiKa). Sie gilt als Muster für die Integration durch Sport.
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Basketball um Mitternacht | Basketball Mannschaft | Fußball | JuJutsu-Show-Team |
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JuJutsu Show Team | |||
Übrigens ist die HNT bereits seit 1979 „Freier Träger der Jugendhilfe“ und damit Ansprechpartner, wenn die Behörden Unterstützung brauchen.
Aber wir haben auch unsere Meinung gesagt, wenn gar nichts mehr ging. So 1999 bei der Neufassung des 630-DM-Gesetzes oder 2004 bei der Auseinandersetzung zur Hallennutzungsgebühr (Bild 85: Hallennutzungsgebühren).
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Hallennutzungsgebühr |
Es ist viel Bewegung im Verein und es ist eine Herausforderung, allen Entwicklungen gerecht zu werden und Visionen zu entwickeln.































































